Kapitel 107 - Erinnerung
„Sibi, alles okay bei dir?“, fragte Corbin und warf Sabine einen kurzen Seitenblick zu, während sie das Skidcar mit routinierten Bewegungen durch die nächtlichen Straßen von Saint Veronika lenkte. Die Stadt glitt in verschwommenen Neonstreifen an ihnen vorbei, Reklametafeln spiegelten sich auf der nassen Fahrbahn und irgendwo in der Ferne heulten Sirenen, die längst zum Grundrauschen dieser Stadt gehörten.
Sabine nickte automatisch, ohne ihn wirklich anzusehen. Ihre Hände lagen fest um das Steuer, die Knöchel waren vor Spannung leicht weiß. Ihre Augen waren nach vorne gerichtet, doch sie sah nicht die Straße, sondern etwas, das weit dahinter lag.
„Ich hoffe, du hast recht“, fuhr Corbin fort, mehr zu sich selbst als zu ihr. Er war nervös, das merkte man an seiner Stimme, die immer ein bisschen zu schnell wurde, wenn er unsicher war. „Du bist seit der Sache mit Samuel nicht gut drauf. Ich meine, das ist jetzt Wochen her, aber du wirkst, als würdest du kaum schlafen.“
Sabine atmete scharf durch die Nase. Für einen Moment sah es so aus, als würde sie es, wie so oft, herunterschlucken. Doch dann kam es aus ihr heraus, roh und ungefiltert.
„Fuck!“, schrie sie plötzlich so laut, dass Corbin unwillkürlich zusammenzuckte.
Er verstummte sofort. Das Skidcar summte weiter gleichmäßig, doch die Stimmung hatte sich schlagartig verdichtet. Sabine trat härter aufs Pedal und der Wagen beschleunigte leicht.
„Was soll okay sein?“, fuhr sie fort. Ihre Stimme bebte vor Wut und etwas, das viel gefährlicher war. Verletzlichkeit. „Ich habe mich nach vielen Jahren emotionsloser One-Night-Stands mal wieder geöffnet, Corbin. Zum ersten Mal habe ich jemanden wirklich an mich rangelassen. Und verdammt noch mal, ausgerechnet diesen Typen musste ich festnehmen.“ Sie lachte kurz, bitter und ohne Humor. „Was zur Hölle soll daran gut sein?“
Corbin schluckte. Er hatte sie schon oft wütend erlebt, schon oft kalt, sarkastisch oder gnadenlos fokussiert. Aber so hatte er sie noch nie erlebt. Er wusste nicht, was er sagen sollte, und jede mögliche Antwort erschien ihm falsch. Also sagte er nichts.
In diesem Moment war er fast dankbar, als sich das Synect aktivierte und eine Stimme erklang. Die Stille im Wagen war unerträglich geworden.
„Scott hier“, sagte Sebastian Scotts Stimme aus dem Lautsprecher. Sie klang ungewohnt angespannt, weniger souverän als sonst.
Corbin wandte sich dem Synect zu, doch Sabine war schneller. „Was gibt’s?“, fragte sie scharf und ohne jede Höflichkeit.
Sebastian zögerte hörbar. „Ich weiß nicht, wie ich es verpacken soll“, begann er langsam.
Sabine presste die Lippen zusammen. „Sag es einfach“, antwortete sie genervt, ohne den Blick von der Straße zu nehmen.
Ein kurzer Moment verging. Dann sagte Sebastian: „Wax hat sich im Gefängnis gehängt.“
Die Worte hingen im Raum wie ein Schuss, der erst Sekunden später gehört wird.
Sabines Gesicht verlor augenblicklich jede Farbe. Es war, als hätte jemand ihr das Blut aus den Adern gezogen. Ihre Augen weiteten sich leicht und ihre Hände verkrampften sich so fest um das Steuer, dass Corbin befürchtete, sie würde es zerbrechen. Das Skidcar wurde langsamer, beinahe schleichend.
„Was?“, brachte Corbin leise hervor, doch Sabine hörte ihn nicht.
Ihr Kopf war plötzlich voller Bilder. Verhörräume. Akten. Gespräche, die sich falsch angefühlt hatten. Dieses nagende Gefühl, das sie nicht hatte loslassen können. Die Blicke. Die Lücken. Die Ungereimtheiten.
Sie hatte recht gehabt.
Ihr Gefühl hatte sie nicht getäuscht.
Sie hatten den Falschen.
Sabine schluckte hart, doch ihre Kehle war trocken. Ein kaltes, schweres Gewicht legte sich auf ihre Brust. Es war nicht nur Schuld, sondern etwas Tieferes. Etwas Strukturelles. Systemisches.
„Verdammt“, flüsterte sie schließlich, mehr zu sich selbst als zu den anderen.
Corbin sah sie an und bemerkte, wie sie innerlich auseinanderfiel, während sie sich gleichzeitig zwang, weiterzufunktionieren. Er wollte etwas sagen, irgendetwas, doch er wusste, dass Worte hier nichts reparieren würden.
Das Funkgerät knackte noch einmal. „Sabine?“, fragte Sebastian vorsichtig. „Das ist noch nicht alles. Es gibt Hinweise, dass Wax kurz vor seinem Tod Besuch hatte.“
Sabine hob langsam den Kopf. Ihre Augen waren wieder klar, aber etwas in ihnen hatte sich verändert. Ihre Verletzlichkeit war verschwunden und hatte einer kalten, messerscharfen Entschlossenheit Platz gemacht.
„Dann fangen wir von vorne an“, sagte sie ruhig. „Und diesmal hören wir auf die verdammten Gefühle.“
Das Skidcar beschleunigte wieder, und Saint Veronika zog weiter an ihnen vorbei, ahnungslos, dass sich gerade etwas Entscheidendes verschoben hatte.
Später erreichten sie den Park, der wie ein vergessenes Stück Stadt zwischen zwei Straßenschluchten lag. Die hohen Bäume wirkten fehl am Platz zwischen Beton und Glas; ihre kahlen Äste zeichneten schwarze Linien gegen den trüben Himmel. Das Licht der Straßenlaternen fiel nur stellenweise durch das dichte Blätterdach und ließ lange, unruhige Schatten über die Wege kriechen. Sabine parkte das Skidcar am Rand und stellte den Motor ab. Für einen Moment saßen sie still da, hörten das leise Knacken des abkühlenden Antriebs und das ferne Rauschen der Stadt. Irgendwo bellte ein Hund und aus der Ferne drang gedämpftes Lachen herüber, als existiere nur wenige Straßen weiter eine andere Realität.
„Hier soll sie sein“, sagte Corbin leise und überprüfte noch einmal die Informationen auf seinem Synect. „Allein. Keine Eskorte. Sie wollte nur mit uns reden.“
Sabine nickte, öffnete die Tür und stieg aus. Kalte, feuchte Luft schlug ihr entgegen. Sie zog die Jacke enger um sich und ließ den Blick über den Park schweifen. Ihr Instinkt meldete sich sofort, dieses alte, vertraute Ziehen im Nacken. Etwas fühlte sich falsch an.
Sie betraten den schmalen Kiesweg, der sich durch den Park schlängelte. Jeder Schritt knirschte gedämpft unter ihren Stiefeln. Die Laternen warfen kreisförmige Lichtinseln auf den Boden; dazwischen lag Dunkelheit, die schwer und dicht wirkte. Sabine ließ unauffällig ihre Hand in Richtung ihrer Waffe gleiten.
Dann sahen sie die Bank.
Sie stand etwas abseits des Weges, halb im Schatten eines großen Baumes. Auf ihr saß eine einzelne Frau, aufrecht, die Hände ordentlich im Schoß gefaltet. Ihr Kopf war leicht geneigt, als würde sie auf jemanden warten. Auf jemanden. Auf sie.
„Das ist sie“, murmelte Corbin.
Sie näherten sich langsam, Schritt für Schritt. Die Frau bewegte sich nicht. Kein Zucken, keine nervöse Gewichtsverlagerung, nichts. Sabines Puls beschleunigte sich.
„Ma’am?“, rief Corbin leise, als sie nur noch wenige Meter entfernt waren.
Keine Reaktion.
Sabine blieb stehen. „Corbin“, sagte sie ruhig, aber eindringlich. „Etwas stimmt hier nicht.“
Corbin nickte, trat einen Schritt näher und beugte sich leicht vor. Die Frau saß reglos da. Ihre Haut wirkte im Laternenlicht seltsam matt, beinah zu glatt. Ihre Augen starrten ins Leere.
„Hey“, sagte Corbin und streckte vorsichtig die Hand aus.
Er berührte ihre Schulter.
Im selben Moment zog er die Hand ruckartig zurück, als hätte er sich verbrannt. Sein Gesicht veränderte sich schlagartig.
„Verdammt“, sagte er leise, beinahe ehrfürchtig.
Sabine trat näher, ihr Blick scharf und konzentriert. Die Frau war eiskalt. Zu kalt. Die Oberfläche fühlte sich nicht wie Haut an, sondern wie etwas Glattes, Festes.
„Sie ist aus Wachs“, sagte Corbin schließlich mit brüchiger Stimme.
Sabine starrte die Gestalt an. Die Details waren erschreckend präzise. Die Poren, die Falten um die Augen, sogar die feinen Härchen am Haaransatz. Es war kein grober Köder, kein schneller Trick. Jemand hatte sich Zeit genommen. Sehr viel Zeit.
„Das ist eine Nachricht“, sagte Sabine leise.
Corbin schluckte. „An uns.“
Sabine ließ den Blick durch den Park schweifen. Plötzlich wirkte jeder Schatten verdächtig und jede Bewegung der Äste wie die eines Beobachters. Die Erkenntnis traf sie hart und klar zugleich.
Wax war tot. Eine Zeugin war tot. Oder noch schlimmer: ersetzt.
„Sie wollten, dass wir das herausfinden“, sagte Sabine. Ihre Stimme klang ruhig, doch in ihr brodelte es.
„Und sie wollten, dass wir verstehen, dass sie uns jederzeit erreichen können.“
Corbin nickte langsam. „Und dass sie keine Angst haben müssen.“
Sabine trat einen Schritt zurück und zog ihr Synect hervor. „Dann haben wir es hier nicht mehr mit Fehlern zu tun“, sagte sie. „Dann ist das ein verdammtes System.“
Der Park lag still um sie herum, als würde er den Atem anhalten. Und irgendwo, das wusste Sabine nun mit absoluter Gewissheit, sah jemand zu und wartete auf ihren nächsten Schritt.
Die Spurenuntersuchung neigte sich dem Ende zu. Die forensischen Drohnen zogen sich langsam zurück. Ihre Sensoren glühten ein letztes Mal auf, bevor sie lautlos in ihre Transportmodule glitten. Techniker markierten letzte Bereiche, versiegelten Proben und tauschten leise Worte aus, als wollten sie den Park nicht weiter stören. Über allem lag diese seltsame Ruhe, die entsteht, wenn etwas Schreckliches bereits geschehen ist und nichts mehr rückgängig gemacht werden kann.
Sabine stand etwas abseits, den Rücken an einen Baumstamm gelehnt. In ihrer Hand hielt sie das Synect, auf dessen Display das Gesicht der Frau zu sehen war. Die perfekte Wachsreplik wurde nun als hochauflösendes Hologramm dargestellt: jede Kontur, jede Falte, jeder Ausdruck war gestochen scharf zu erkennen. Die Künstlichkeit war kaum zu erkennen, wenn man nicht wusste, wonach man suchte.
Sabine betrachtete das Bild lange. Zu lange.
Ein unbestimmtes Gefühl kroch ihr den Rücken hinauf. Es war kein Schock, kein plötzlicher Schrecken, sondern etwas Tieferes, Unangenehmeres. Eine Erinnerung, die anklopfte, ohne sich sofort zu zeigen. Ihr Blick glitt über die Augen der Frau, über die Form der Lippen und die leicht geneigte Haltung des Kopfes.
„Warum kenne ich dich?“, murmelte Sabine kaum hörbar.
Sie vergrößerte das Bild, drehte es minimal und ließ das Licht simuliert über das Gesicht wandern. Ihr Herzschlag wurde schneller, während ihr Verstand fieberhaft arbeitete. Das war kein Zufall. Dieses Gesicht war ihr vertraut. Aber nicht aus Akten oder einem Einsatzbericht. Es war älter. Persönlicher.
Dann traf es sie.
Die Erkenntnis schlug wie ein elektrischer Impuls in sie ein, heiß und kalt zugleich. Ihr wurde schlagartig warm, als hätte jemand einen Scheinwerfer auf sie gerichtet. Im nächsten Moment zog sich alles in ihr zusammen, als würde sie frieren. Ihre Finger krampften sich um das Synect.
„Nein“, flüsterte sie.
Sabine richtete sich ruckartig auf. Der Baumstamm hinter ihr knirschte leise, als sie sich von ihm abstieß. Ihr Blick wanderte zu Corbin, der gerade mit einem Techniker sprach und über den Park hinweg gestikulierte. Für einen Sekundenbruchteil überlegte sie, es ihm zu sagen. Doch sofort wusste sie, dass sie das nicht konnte. Noch nicht.
Sie ging los.
Mit schnellen, entschlossenen Schritten bewegte sie sich über den Kiesweg, direkt an Corbin vorbei. Ihr Gesicht war angespannt, ihre Gedanken rasten.
„Ich bin gleich zurück“, sagte sie, ohne stehen zu bleiben. Ihre Stimme klang kontrolliert, aber härter als sonst. „Ich muss kurz etwas klären.“
Corbin drehte sich überrascht um.
„Sibi? Was ...“
Doch sie war bereits weitergegangen. Ihre Schritte wurden schneller, beinah hastig. Der Park schien sich um sie herum zu verengen, die Geräusche wurden dumpfer, als würde sie unter Wasser laufen. Sabine spürte, wie ihr eigenes Blut in den Ohren rauschte.
Sie erreichte den Rand des abgesperrten Bereichs, verschwand zwischen zwei Bäumen und war außer Sichtweite. Ihr Synect vibrierte leicht in ihrer Hand, als würde es ihre Unruhe widerspiegeln.
Das hier war kein Zufall mehr. Kein isolierter Vorfall. Jemand hatte sich bewusst dieses Gesicht ausgesucht. Jemand wusste, dass sie es erkennen würde.
Und dieser Jemand spielte ein sehr persönliches Spiel.
Sabine blieb stehen, atmete tief ein und aus und zwang sich zur Ruhe.
Sabine zog den Schlüssel aus der Innentasche ihrer Jacke, als würde sie etwas Verbotenes berühren. Das Metall fühlte sich kälter an als gewöhnlich. Sie hatte diesen Schlüssel lange nicht mehr benutzt. Sehr lange. Jahre, in denen sie sich eingeredet hatte, dass sie ihn nicht mehr brauchen würde. Dieser Teil ihres Lebens war abgeschlossen, sauber verstaut wie ein alter Aktenordner, den man nicht mehr öffnen musste.
Sie blieb einen Moment vor der Tür stehen. Das Haus lag ruhig da, beinahe unscheinbar, eingebettet zwischen anderen Gebäuden, die längst mehr Geschichte als Zuhause waren. Es war ein Ort, der gleichzeitig Sicherheit und Bedrohung ausstrahlte. Sabine atmete tief durch, steckte den Schlüssel ins Schloss und drehte ihn langsam um.
Das leise Klicken hallte in ihr nach.
Als sie die Tür öffnete, schlug ihr der Geruch wie eine Erinnerung mit voller Wucht entgegen. Alte Möbel, Reinigungsmittel, Staub, ein Hauch von nicht mehr frischem Kaffee. Es roch nach Leben, nach Alltag, nach einer Zeit, die sie hinter sich gelassen hatte. Für einen Moment schloss sie die Augen, weil die Bilder schneller kamen, als sie sie sortieren konnte.
Dann hörte sie eine Bewegung.
Sabine öffnete die Augen und sah zur Couch. Dort saß Zoe.
Ihre Nichte wirkte klein in den viel zu großen Kissen, die Beine angezogen, die Hände ineinander verschränkt. Ihre Augen suchten den Raum ab, bis sie Sabine erblickten. In diesem Blick lag keine Erleichterung, sondern pure Unsicherheit. Es war eine Angst, die sich nicht in Tränen entlud, sondern still und wachsam war.
„Mama ist nicht da“, sagte Zoe leise, beinahe entschuldigend, als hätte sie etwas falsch gemacht. Ihre Stimme zitterte kaum merklich. „Ich weiß nicht, wo sie ist.“
Sabine antwortete nicht. Sie konnte nicht. Ihr Mund öffnete sich, doch es kam kein Wort heraus. Stattdessen ging sie an Zoe vorbei, ohne sie anzusehen, und begann, durch das Haus zu laufen. Raum für Raum. Mechanisch. Zielgerichtet. Es wirkte, als würde sie eine Einsatzroutine abarbeiten.
Wohnzimmer. Leer. Es gibt keine Spuren von Gewalt, aber auch keine von Normalität.
Küche. Der Tisch ist halb abgeräumt. Im Spülbecken steht eine Tasse mit einem Lippenabdruck am Rand. Nicht alt. Nicht frisch.
Schlafzimmer. Das Bett ist unberührt. Der Schrank war offen. Kleidung fehlte. Weder hastig noch ordentlich.
Bad. Ein Handtuch lag auf dem Boden. Feucht.
Sabine spürte, wie sich etwas in ihrer Brust zusammenzog. Es war kein Panikgefühl, sondern eine kalte, nüchterne Gewissheit. Das hier war kein spontanes Verschwinden. Es war geplant. Oder erzwungen. Vielleicht beides.
Sie hörte Schritte hinter sich, blieb jedoch nicht stehen. Zoe folgte ihr nicht weiter. Als Sabine ins Esszimmer kam, meldete sich ihr Synect.
Sie nahm es entgegen, ohne hinzusehen. In dem Moment, in dem sie den Anruf annahm, wusste sie, wer es war. Noch bevor sie die Stimme hörte.
„Du willst meine Stimme nicht hören, ich weiß“, sagte Samuel auf der anderen Seite. Seine Stimme klang ruhiger, als sie es erwartet hatte. Zu ruhig.
Sabine schluckte hart. „Sam … Samuel.“ Sie zwang sich, seinen Namen auszusprechen. „Doch, irgendwie schon.“
Eine Träne löste sich aus ihrem Auge und lief ihr über die Wange. Sabine wischte sie nicht weg. Ihr harter Blick, den sie sich über Jahre antrainiert hatte und der sie durch Einsätze, Verluste und Verrat getragen hatte, begann zu bröckeln. Für einen Moment war sie einfach nur eine Frau, die Angst hatte.
„Sibi“, sagte Samuel leise. „Ich weiß, wer es ist.“
Ihr Herz setzte einen Schlag aus.
„Corbin war bei mir“, fuhr er fort. „Und ich habe meine Custodian-KI analysieren lassen. Wir haben die Muster, die Materialien und die Signaturen verglichen. Die Wachsreplik. Die Symbolik.“
Sabine spürte, wie ihr schwindelig wurde. Der Raum begann sich zu drehen, als hätte jemand die Schwerkraft verändert. Sie stützte sich am Tisch ab, ihre Finger gruben sich ins Holz.
„Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass …“
Samuel machte eine Pause. Eine viel zu lange Pause.
In diesem Moment wurde Sabine schwarz vor Augen. Nicht langsam, nicht sanft. Es war, als hätte jemand das Licht ausgeschaltet. Die Geräusche verzerrten sich, wurden dumpf und fern. Sie hörte noch ihren eigenen Atem, dann nichts mehr.
Als sie fiel, war das Letzte, was sie sah, Zoes erschrockenes Gesicht.
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