Kapitel 106 - Zweite Chance

Startseite                                                                                                   .                       Kapitelübersicht

An diesem Abend saß Malik allein im Repast. Das Repast hatte den Angriff der Shenth zumindest äußerlich überstanden. Die Fenster waren unversehrt und die schwere Eingangstür ließ sich noch schließen.

Die Stadt hatte jedoch massiv unter dem Angriff der Shenth gelitten. Ganze Straßenzüge waren evakuiert worden, andere lagen noch immer unter notdürftig gespannten Absperrbändern. Die Menschen blieben fern.

Im Repast brannten nur zwei kleine Wandlampen. Ihr warmes, gelbliches Licht erzeugte mehr Schatten, als es vertrieb. Die Stühle und Hocker standen ordentlich auf den Tischen und dem Tresen, als hätte jemand versucht, Ordnung herzustellen, wo keine mehr war. Auf den Holzflächen hatte sich bereits Staub gesammelt und irgendwo tropfte in unregelmäßigen Abständen Wasser, ein Geräusch, das Malik unweigerlich mitzählen musste.

Er saß an seinem Stammplatz, obwohl es keinen Unterschied mehr machte. Früher hatte er diesen Platz geliebt. Von hier aus konnte man die Tür und die offene Küche sehen. Kontrolle, Übersicht. Jetzt war es einfach nur ein weiterer Ort, an dem er sitzen konnte, ohne jemandem im Weg zu sein.

Malik wusste nicht, wohin mit sich.

Dieser Gedanke war weder dramatisch noch selbstanklagend. Es war eine nüchterne Feststellung. Ein leerer Satz, der sich immer wieder in seinem Kopf wiederholte, egal, wie oft er versuchte, ihn zu verdrängen.

Caleb war gegangen. Nach Alasteria. Zu Nathaniel. Malik hatte ihm noch hinterhergesehen, genickt und sogar gelächelt. „Mach das Richtige”, hatte er gesagt. Und er meinte es auch so. Trotzdem fühlte es sich an, als wäre mit Caleb ein Teil von dem verschwunden, was ihn hier noch hielt. Die Zeit von Caleb bei Pretorius Tech war dadurch äußerst kurz. der Der Kampf hatte die Welt verändert. Auch in Blackchester hatte Pretorius Tech seine Außenstelle wieder geschlossen. Kessler Industries übernahm die Gebäude und Anlagen.

Tasha war praktisch nicht mehr erreichbar. Sie war rund um die Uhr für Mace im Einsatz. Malik stellte sich vor, wie sie mit diesem festen Blick, der keinen Zweifel zuließ, durch sterile Korridore lief. Tasha hatte immer gewusst, was zu tun war. Vielleicht beneidete er sie genau darum.

Und Jack ...

Malik schluckte.

Jack war seit dem Kampf verschwunden. Keine Spur. Kein Signal. Keine Leiche. Offiziell galt er als vermisst. Inoffiziell hatten die meisten bereits aufgegeben.

Man vermutete, dass er verstorben sei.

Malik hatte diesen Satz noch nicht laut ausgesprochen. Nicht einmal in Gedanken. Er lag irgendwo zwischen den Dingen, die man wusste, und denen, die man nicht ertragen konnte.

Er senkte den Blick.

Vor ihm stand ein Glas mit stillem Wasser. Es war verschmiert, mit Fingerabdrücken am Rand und Schlieren an der Seite. Er erinnerte sich nicht daran, es so abgestellt zu haben. Vielleicht hatte er einfach vergessen, es abzuwischen. Es spielte keine Rolle.

Er starrte hinein, als könnte sich darin etwas bewegen.

Das Wasser war klar und reglos. Kein Eis, keine Bläschen. Tot.

Malik legte die Hand daneben auf den Tisch. Das Holz fühlte sich kalt und rauer an als früher. Oder war er empfindlicher geworden? Er schloss die Augen kurz und atmete tief ein.

Der Geruch des Repasts war noch da. Altes Holz, ein Hauch von Gewürzen, eingebrannte Erinnerungen an Abende voller Stimmen, Lachen, Streit und Versöhnung. Malik fragte sich, ob sich die Wände all das noch erinnerten. Oder ob Orte irgendwann genauso vergesslich wurden wie Menschen.

„Was jetzt?“, murmelte er leise.

Seine Stimme klang fremd im leeren Raum. Zu laut. Zu ehrlich.

Er hatte gekämpft. Er hatte überlebt. Und nun saß er hier, in einem geschlossenen Restaurant in einer verletzten Stadt, mit einem Glas Wasser, das er nicht trinken wollte.

Vielleicht war das das Schlimmste an allem, nicht der Verlust.

Nicht die Zerstörung.

Sondern dieses Gefühl, übrig geblieben zu sein.

Malik hob das Glas, betrachtete es einen Moment lang und stellte es dann wieder ab, ohne einen Schluck zu nehmen. Das leise Klacken hallte durch den Raum, als hätte es Gewicht.

Draußen fuhr irgendwo ein Fahrzeug vorbei. Kurz flackerte Licht durch das Fenster, dann wurde es wieder still.

Malik blieb sitzen.

Noch.

Die Tür wurde aufgerissen.

Sie wurde nicht geöffnet.

Sie wurde nicht aufgestoßen.

Sie wurde aufgerissen, als hätte jemand beschlossen, dass Holz, Scharniere und jegliche Zurückhaltung ab diesem Moment keine Bedeutung mehr hatten. Mit einem dumpfen Knall schlug sie gegen die Wand, vibrierte und blieb schief offen stehen. Staub rieselte von der Decke. Einer der Stühle auf dem Tresen wackelte leicht.

Malik fuhr herum.

Sein Herz machte einen Satz, so heftig, dass ihm kurz schwindelig wurde. Der Stuhl unter ihm schabte über den Boden, ein raues, kratzendes Geräusch, das ihm sofort unangenehm auffiel. In dem fast völlig dunklen Restaurant klang es viel zu laut. Viel zu endgültig.

Er hatte nicht damit gerechnet, dass überhaupt noch jemand hereinkam.

Die Lampen an der Wand warfen schwache Lichtkegel, die den Raum eher zerhackten als ausleuchteten. Schatten lagen wie schwere Decken auf den Tischen, den hochgestapelten Hockern und der leeren Bar. Es roch nach kaltem Fett, abgestandenem Alkohol und etwas Metallischem – vielleicht war es Blut, vielleicht war es auch nur seine Einbildung.

Maliks Blick blieb an der Gestalt im Türrahmen hängen.

„Mich ... Michael ...“

Der Name stolperte ungeordnet und brüchig aus seinem Mund. Er klang falsch. Fremd. Als hätte er ihn zu lange nicht benutzt.

Michael stand da.

Malik brauchte einen Moment, um zu begreifen, was ihn so sehr irritierte. Es war nicht nur das Aussehen. Nicht nur die Haltung. Es war das Gefühl, das sich augenblicklich in seiner Brust ausbreitete, dieses instinktive, tierische Wissen, dass hier etwas grundlegend falsch war.

Michael war größer. Oder er wirkte größer. Seine Schultern waren breiter und sein Nacken war angespannt, als würde unter seiner Haut ständig Energie brodeln. Seine Kleidung hing nicht locker an ihm, sondern schien sich um einen unter Druck stehenden Körper zu spannen. Sein Gesicht lag halb im Schatten, doch selbst dort sah Malik genug.

Die Augen.

Sie waren offen. Wach.

Aber leer.

Kein Wiedererkennen. Kein Zögern. Von dem Jungen, den Malik gekannt hatte, war keine Spur. Kein Michael, der gelacht, geflucht oder Hoffnung gehabt hatte.

Michael sah ihn an, als würde er ein Objekt betrachten. Etwas, das einfach da war. Nicht mehr.

Malik stand langsam auf. Seine Knie fühlten sich weich an, als könnten sie ihn jeden Moment im Stich lassen. Trotzdem ging er ein paar Schritte nach vorn.

Dann, ohne jede Vorwarnung.

Ein Schritt nach vorn.

Kein Geräusch.

Keine Ankündigung.

Seine Hand schoss vor.

Sie schloss sich um Maliks Kehle, als hätte sie genau dort hingehört.

Die Kraft war brutal. Malik hatte keine Zeit zu reagieren. Er konnte nicht einmal die Hände heben oder ausweichen. Sein Körper wurde einfach hochgerissen, als wäre er nichts als Gewicht. Seine Füße verloren den Boden. Der Stuhl kippte hinter ihm um und schlug dumpf auf, doch das Geräusch kam nur noch gedämpft bei ihm an.

Alles konzentrierte sich auf seinen Hals.

Die Hitze traf ihn zuerst.

Nicht wie Fieber.

Nicht wie Feuer von außen.

Sondern wie etwas, das direkt aus Michaels Hand kam.

Kochend. Brennend. unnatürlich.

Malik keuchte, doch es kam kein Laut heraus. Seine Kehle war zusammengedrückt, seine Luftröhre blockiert. Ein stechender Schmerz fraß sich gnadenlos tief in seine Haut. Er roch es Sekunden später.

Verbrannte Haare.

Verbrannte Haut.

Instinktiv griffen seine Hände nach Michaels Handgelenk. Seine Finger rutschten ab. Die Haut fühlte sich falsch an. Zu glatt. Zu glatt. Sie war so heiß wie Metall, das zu lange in der Sonne gelegen hatte.

Michael sagte nichts.

Er sah Malik an, den Kopf minimal geneigt, als würde er etwas beobachten. Studieren. Keine Wut. Kein Hass. Keine Freude.

Nur Zweck.

Maliks Sichtfeld begann zu flackern. Schwarze Punkte tanzten am Rand seines Blickfelds. Sein Herz raste, während ihm gleichzeitig klar wurde, dass ihm die Luft ausging.

Er ließ die Hände sinken.

Nicht aus Schwäche.

Aus Entscheidung.

Wofür auch?

Dieser Gedanke kam überraschend ruhig.

Caleb war weg.

Tasha war unerreichbar.

Jack war verschwunden, wahrscheinlich tot.

Er hatte niemanden mehr. Und niemand brauchte ihn mehr.

Aus dem Augenwinkel sah Malik Bewegung.

Drei Gestalten rannten auf das Repast zu. Ihre Schritte waren hektisch und ungleichmäßig. Trotz der Hitze und des Schmerzes erkannte er sie sofort: Isaiah, Jamal und Darnell. Seine Schüler.

Der Schmerz explodierte.

Dann wurde alles schwarz.

Isaiah schrie auf, als er sah, wie das Leben aus Malik glitt. Es war kein kontrollierter Laut, kein Ruf, den man bewusst formt, sondern ein roher, ungebremster Schrei, der aus seiner Brust herausbrach, bevor er ihn aufhalten konnte. Er spürte, wie sich etwas in ihm löste, als Maliks Körper schlaff und reglos in Michaels Griff hing, so schwer und fremd. In diesem Moment verstand Isaiah nicht genau, was er sah. Nur eins war ihm klar: Es war etwas Endgültiges geschehen, das sich nicht mehr rückgängig machen ließ.

Michael riss den Mund auf, als hätte sich etwas in ihm angestaut, das nun keinen Platz mehr fand. Ein gleißendes, flackerndes Licht flammte in seinem Rachen auf, und im nächsten Augenblick spuckte er eine Feuerwalze aus, die mit brutaler Gewalt durch den Raum fegte. Die Flammen schlugen gegen die Bar, fraßen sich durch Holz, Stoff und alte Polster, als hätten sie nur darauf gewartet, endlich freigelassen zu werden. Innerhalb von Sekunden stand das Repast in Flammen. Die Hitze wuchs explosionsartig, ließ die Luft flimmern und brannte in den Lungen.

Michael hielt Malik immer noch, als wäre sein Körper nichts weiter als ein Objekt, das er vergessen hatte loszulassen. Ohne Hast und ohne sichtbare Anstrengung trat er aus dem brennenden Gebäude heraus. Hinter ihm brachen Fensterscheiben mit schrillen, splitternden Geräuschen. Flammen leckten aus den Öffnungen, schwarzer Rauch quoll in den Himmel. Das Repast, einst ein Ort der Zuflucht, der Gespräche und des leisen Zusammenseins, wurde innerhalb weniger Atemzüge zu einem lodernden Grab.

Isaiah, Jamal und Darnell standen wie erstarrt auf der Straße. Ihre Körper zitterten unkontrolliert, nicht nur vor Angst, sondern auch vor Überforderung. Keiner von ihnen wusste, wohin er schauen sollte. Der Geruch von Rauch, verbranntem Holz und etwas Süßlichem, das Isaiah nicht benennen wollte, legte sich schwer auf ihre Sinne. Die Hitze ließ ihre Haut spannen, doch sie bewegten sich nicht, als wären ihre Füße im Asphalt verwurzelt.

Michael blieb einen Moment stehen, dann ließ er Malik fallen. Der Körper traf den Boden mit einem dumpfen, erschreckend endgültigen Geräusch, das Isaiah noch lange verfolgen würde. In diesem Augenblick riss es ihn aus seiner Starre. Er rannte los, stolperte fast, fiel auf die Knie und war plötzlich bei Malik, ohne zu wissen, wie er die Distanz überwunden hatte.

Er hockte sich über ihn, legte zögernd die Hände auf Maliks Brust, als könnte er ihn dadurch zurückholen. Seine Finger zitterten so stark, dass er kaum Druck ausüben konnte. Tränen liefen ihm über die Wangen, heiß und unaufhaltsam. Sie tropften auf Maliks Kleidung, während sein Atem stoßweise kam. Er wollte etwas sagen, wollte schreien, wollte um Hilfe rufen, doch seine Kehle war wie zugeschnürt.

„Bitte“, flüsterte er schließlich, ohne zu wissen, an wen sich das Wort richtete.

Da erklang eine tiefe, unangenehme Stimme aus dem Hintergrund, ruhig und beiläufig, als würde sie eine Beobachtung teilen, die keinerlei Bedeutung hatte. „Junge, wein nicht. Du kanntest deinen Lehrer nicht richtig.“

Isaiah fuhr herum. Sein Herz hämmerte bis zum Hals, während er versuchte, die Quelle der Stimme auszumachen. Hinter Jamal und Darnell, die immer noch wie versteinert dastanden, zeichnete sich eine dunkle Gestalt ab. Sie stand im Schatten, den das brennende Repast warf, und war nur halb im flackernden Licht der Flammen zu erkennen. Isaiah konnte nur Umrisse erkennen, doch das genügte, um ihm einen kalten Schauer über den Rücken zu jagen.

Die Gestalt bewegte sich nicht, und doch hatte er das Gefühl, beobachtet, gemessen und bewertet zu werden. Die Stimme hallte in seinem Kopf nach, schwer und unangenehm, als hätte sie sich dort eingenistet. Er spürte, wie sich seine Trauer langsam mit etwas anderem vermischte, mit etwas Dunklerem, Härterem, das er noch nicht benennen konnte.

Hinter ihm knisterte das Feuer weiter, das Repast stürzte in sich zusammen, Balken brachen, Funken stoben in den Nachthimmel. Isaiah blieb kniend bei Malik, die Hände immer noch auf dessen Brust, und wusste, dass sich dieser Moment unauslöschlich in ihn einbrennen würde. Nicht nur wegen des Feuers, sondern auch wegen der Erkenntnis, dass die Welt, wie er sie gekannt hatte, in dieser Nacht unwiederbringlich zerbrochen war.

„Sie müssen Goliath sein“, sagte Isaiah schließlich. Obwohl seine Stimme zitterte, lag in ihr etwas Neues. Etwas Hartes, das sich zwischen Trauer und Wut gebildet hatte. Er wusste nicht, woher diese Gewissheit kam, doch sie war plötzlich da, fest und unumstößlich. Die Wut stieg in ihm auf wie ein heißer Druck hinter den Augen, ein brodelndes Gefühl, das seine Tränen nicht versiegte, sondern sie schärfer machte.

Die dunkle Gestalt trat aus dem Schatten. Goliath kam langsam auf ihn zu, mit einer Ruhe, die angesichts des brennenden Gebäudes hinter ihnen und der leblosen Gestalt am Boden geradezu beleidigend wirkte. Er war noch immer riesig, größer als jeder Mann, den Isaiah je gesehen hatte. Seine Statur wirkte nicht nur massiv, sondern endgültig, als wäre er aus etwas gebaut, das nicht zerbrechen konnte. Das flackernde Feuer zeichnete harte Linien über sein Gesicht und ließ seine Augen tief und schwer erscheinen.

Goliath hockte sich ohne Mühe und ohne Hast vor Isaiah. Die Bewegung ließ den Boden leicht vibrieren. Er beugte sich näher, bis Isaiah den Geruch von Rauch, Metall und etwas Bitterem, das er nicht zuordnen konnte, wahrnahm. Dann legte Goliath seine große Hand an Isaiahs Gesicht. Die Berührung war warm und fast sanft und doch jagte sie Isaiah einen Schauer über den Rücken. Mit dem Daumen wischte Goliath ihm langsam eine Träne von der Wange, als würde er ein Staubkorn entfernen.

„Sei nicht traurig, Rohdiamant“, sagte Goliath mit tiefer, ruhiger Stimme. Diese klang trotz der fehlenden Spur von Mitgefühl tröstend. „Malik war nicht der, der er vorgab zu sein.“

Zweifel sickerten wie Gift in ihn hinein.

Goliath richtete sich ein Stück auf und warf einen knappen Blick über die Schulter. Ein Mann trat näher: düster, breit gebaut, mit einem Gesicht, das keine Regung zeigte. Seine Augen waren wachsam und berechnend. Goliath deutete kurz mit zwei Fingern. „Bring es.“

Der Mann nickte stumm und stellte eine schwere Kiste vor Goliath ab. Metall schabte auf Asphalt, als die Kiste aufsetzte. Der Mann trat einen Schritt zurück. „Danke, Brick“, sagte Goliath beiläufig, als hätte er gerade um ein Glas Wasser gebeten.

Dann wandte er sich wieder Isaiah zu und öffnete die Kiste. „Schau her, Junge“, sagte er ruhig. „Du hast jetzt eine Wahl. Wenn du willst, kannst du mit deinen Freunden hierbleiben, traurig sein und versuchen, das hier zu verarbeiten.“ Er machte eine kurze Pause und ließ seine Worte wirken. „Oder du kommst zu Axis. Du gehst mit mir.“

Isaiah blickte in die Kiste. Sein Atem ging flacher. Er wusste nicht, was er erwartet hatte, doch das, was er sah, ließ etwas in ihm kippen. In der Kiste befand sich der Anzug von Orphan, sowie ein Bild, das Malik in diesem Anzug zeigte. Er spürte, wie sich seine Hände unwillkürlich ballten.

Langsam hob er den Blick und sah zu Jamal und Darnell. Ihre Gesichter waren aschfahl, ihre Augen vom Rauch und vom Weinen rot. Sie sagten nichts, doch ihre Blicke flehten ihn an, baten um Halt und Orientierung.

Er nickte kaum sichtbar, aber entschieden.

„Er war da, als meine Eltern gestorben sind“, sagte er leise, doch seine Stimme klang klar. Die Worte kamen ihm schwer über die Lippen, aber sie trugen Wahrheit in sich. „Er war alles, was ich hatte. Er glaubte an mich.“ Er schluckte, dann hob er den Kopf. „Ich bin dabei.“

Goliaths Mund verzog sich zu einem kaum wahrnehmbaren Lächeln. Es war kein freundliches Lächeln, sondern eines, das Besitz signalisierte. Er legte Isaiah eine Hand auf die Schulter – schwer und unumstößlich. Hinter ihnen knackte das Feuer weiter, und das Repast brach endgültig in sich zusammen. Isaiah wusste, dass er in diesem Moment nicht nur eine Entscheidung getroffen, sondern eine Grenze überschritten hatte, von der es kein Zurück mehr gab.


Vorheriges Kapitel                                                                                                           Nächstes Kapitel




Kommentare